Kupferhüttenflugstaub

Projektbeschreibung

Verfahrensfließbild zur Aufbereitung von Kupferhüttenstaub (Theisenschlamm)

Auf der Kupferhütte Helbra im ehemaligen Kupferschieferrevier Mansfeld fiel beim reduzierenden Schmelzen des Kupferschiefererzes aus Kupferrohstein neben Schlacke, Eisensau und Gichtgas ein sulfidischer bleizinkhaltiger Flugstaub an. Dieser naß abgeschiedene Flugstaub (Theisenschlamm) wurde über viele Jahrzehnte als Ausgangsprodukt zur pyrometallurgischen Blei- und Zinkoxidgewinnung eingesetzt. Mit der Stillegung der Blei- und Zinkhütte im Jahre 1978 mußte der weiterhin in der Kupferhütte anfallende Flugstaub in einer eigens am Standort errichteten Monodeponie entsorgt werden. Bis zur Stillegung der Kupferschieferverhüttung im Jahre 1990 fielen ca. 230.000 t Flugstaub (Theisenschlamm) als Abfall an.

Auf der Basis reaktionskinetischer Untersuchungen zur schwefelsauren oxidierenden Drucklaugung wird ein Verfahrenskonzept zur Verwertung von Theisenschlamm vorgeschlagen. Produkte sind reine Kupfer-, Zink- und Bleisulfate sowie Ammoniumrhenat. Es wird nachgewiesen, daß sich das Radionuklid 210Pb im Bleisulfatkonzentrat und die Dioxin-/Furanfracht im silikatischen Rückstand anreichern. Die ermittelten Belastungen liegen um den Faktor 7 bzw. 4.5 unter den amtlich festgelegten Grenzwerten. Obgleich eine Kostendeckung des vorgeschlagenen Verwertungsweges durch die Metallerlöse gegenwärtig nicht zu erwarten ist, läßt sich dieses Defizit allein durch Gegenrechnung der vom Theisenschlamm verursachten Sicherungskosten für den Gewässerschutz ausgleichen. Es wird angeregt, das entwickelte Verwertungsverfahren auch für andere regionalspezifische metallhaltige Abfälle einzusetzen und damit zur Stärkung der Wirtschaftsstruktur der Region beizutragen.

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